Dienstag, 4. Dezember 2007

Tod der Emotion?

Für unsere Gefühle können wir nichts - verantwortlich sind wir nur für die Macht, die wir ihnen einräumen.
Eugenie Marlitt, (1825 - 1887)

// Anlass zu diesem Thema war ein Thread im PokerStrategy-Forum.
// Der obige Aphorismus stammt von
www.aphorismen.de

Warum spielt man? Ein Spiel hat meist keinen Nutzen ausser dem, dass es einem Spaß bereitet. Es ist ein Zeitvertreib, eine Beschäftigung für die eigenen Gedanken. Oder? Das grundlegenste aller Ziele in einem Spiel ist der Sieg, das Gewinnen, besser sein als alle anderen. Es ist allerdings nicht immer eindeutig, wer nun der Sieger ist, folglich benötigt man klare Richtlinien, um einen Sieger zu ermitteln. Reicht das aus? Nein, denn wenn nun der Sieger sich als solcher brüstet, so gibt es andere die kommen und sagen "Ja, ich wäre ja besser, wenn ich nur hätte mitspielen dürfen" - Der Wettkampf ist geboren.

Bereits die Griechen der Antike veranstalteten Wettkämpfe, trafen sich alle vier Jahre um Sieger zu ermitteln. In dieser Zeit war im ganzen Land Waffenstillstand, die sogenannte heilige Waffenruhe. Und die Griechen erkannten auch, dass dem Sieger der Ruhm des Sieges allein nicht genügen würde - wer würde ihm den Sieg glauben, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat? Also bekam der Sieger einen Preis, ein unverwechselbares Merkmal dafür, dass man in einem sportlichen Wettkampf als Sieger hervorgegangen war. Früher waren es Palmzweige, heute sind es Goldmedallien und viele andere Dinge, die ein Sieger nach Hause bringt. Das Prinzip ist seit dem immer gleich geblieben.

Warum spielt man? Es ist nicht immer nur der Spaß, der uns antreibt und uns zu Höchstleistungen anspornt. Es ist der Preis. Der Wettkampf. So ist es auch im Poker. Es kann ein netter Zeitvertreib sein, mit Spielgeld im Kreise seiner Freunde und Verwandten zu spielen, es kann harter Wettkampf sein am Final Table des WSOP Main Events zu sitzen (und das ist es mit Sicherheit). Um in einem Wettkampf zu bestehen lohnt sich Training, um seine eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Poker ist ein Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten, sehr mathematisch. Call, Raise, Fold, wer vor dieser Entscheidung steht kann alles gebrauchen, nur eines nicht: Emotionen. Wer sich übermäßig ärgert oder freut ist in Gefahr zu "tilten" und es gibt für einen Pokerspieler nichts schlimmeres als einen Tilt. Tilt heisst keine Kontrolle über sich und seine Aktionen haben, was unter Umständen viel Geld kostet.

Tod der Emotion? Im Forum klagte ein User, dass er seine Gefühle während des Pokerns fast gänzlich abstellen kann, was in seinem Spiel enorme Vorteile mit sich bringt - er trifft die besseren Entscheidungen. Allerdings kann er sich dadurch nicht mehr richtig übe seine Gewinne freuen was zur Folge hat dass er den Spaß an der ganzen Sache verliert. Ein Dilemma: Er spielt das Spiel weil er Spaß daran hat, doch mit Emotionen verliert er das Spiel und langfristig den Spaß. Ohne Emotionen gewinnt er das Spiel aber verliert langfristig ebenfalls den Spaß. Ein Lösung gibt es sicherlich, aber darauf werde ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, mal ganz abgesehen davon, dass diese Lösung für jeden anders ausfallen wird, da es eine subjektive Lösung ist.

Gruß

Acefolder aka nietzsche84

Montag, 3. Dezember 2007

Microlimits - Ghetto des Poker?

Keiner mag sie, und jeder der ernsthaft Poker spielt möchte sie so schnell wie möglich verlassen: Die Micro-Limits. Während die Sharks des FL erst bei $2/$4 von LowLimit reden und Highroller sich auf $100/$200 vergnügen, sind es die kleinen Fische, die in den kleinen Limits anfangen müssen.

Ich selbst habe meine ersten Versuche auf $0.25/$0.50 mit der Einsicht beenden müssen, dass die Lehrjahre eben vor den Herrenjahren stehen. Ein Abstieg in untere Limits ist im Poker auch keine Schande, sondern eher ein disziplinierter Schachzug um seine Bankroll zu schützen. Oder?

Manchmal fühlt man sich in Foren schon ein wenig abgegrenzt, wenn man schreibt dass man $0.10/$0.20 spielt. Na klar, es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber oft fühlt man sich nicht richtig ernst genommen und liest aus den Antworten mehr ein "Geh nach Hause und spiel Halma" als ein "So machst du es besser" heraus. Und auch bei Freunden kann man (zunächst) keinen Eindruck schinden - solange bis man diese überredet es doch selbst einmal zu probieren und sie ebenfalls an den höheren Limits scheitern.

Aber es ist nicht nur die Abgrenzung von Aussenstehenden, man selbst, die Gruppe der Microfighter, erniedrigt sich mit Aussagen wie "spiele leider noch $0.15/$0.30" oder "bald hab ich die Micros endlich hinter mir". Es fühlt sich an wie ein Ghetto, aus dem es nur einen Ausweg gibt: Lesen, lesen, lesen, sich helfen lassen, sein Spiel analysieren, eigene Fehler akzeptieren. Es ist nicht immer ein BadBeat, der einem den Pot kostet...

Gruß,

Acefolder aka nietzsche84

Sonntag, 2. Dezember 2007

Kant's Imperativ im Bezug auf Poker

Hier (The Philosophy of Emmanuel Kant Applied to Poker) habe ich einen interessanten Blog-Eintrag gefunden. Er stammt aus dem Online Casino Smack.

Ich greife einen Absatz heraus:
The following example of Kant’s imperative further intrigued me:
Always borrow money when in need and promise to pay it back without any intention of keeping the promise.
Follow that logically and you discover that, whereas this maxim is beneficial to the individual, it can’t fly as universal law - everyone would then break promises, making them irrelevant, therefore they’d cease to exist. This creates a logical contradiction - ultimately it’s not in an individual’s best interest to break the promise.

Is there a maxim for a poker player to act on that if willed, could become a universal “poker” law? For the poker player it’s in his individual interest to make the correct decision on each hand. It’s not in his individual interest for his opponents to do the same. Success in poker is predicated upon making consistent +EV decisions while your opponents make -EV mistakes. If everyone made the “correct” play all the time - i.e.: played by the book, then, theoretically, at best you will break even over the long term. Right?

Der letzte Punkt ist entscheidend: Würde jeder das bestmögliche Spiel spielen, würde auf lange Sicht gesehen Niemand gewinnen. Auf der anderen Seite lehnt er den Kategorischen Imperativ als allgemeingültiges Gesetz ab, da hierdurch auf lange Sicht alle Individuen verlieren würden. Folglich kann man nur hoffen, dass der Gegner eben nicht das beste Spiel spielt und man selbst dadurch einen positiven Erwartungswert (== +EV) erhält.

Meiner persönlichen Meinung nach zeigt dieses Beispiel nicht eindeutig, wie der Kategorische Imperativ auf Poker anzuwenden ist. Deshalb werde ich zu diesem Thema noch ein wenig recherchieren und mir meine Gedanken machen. Je nach dem wieviel Material sich ansammelt, könnte dies meine erste Serie werden.

In diesem Sinne,

Acefolder aka nietzsche84

Samstag, 1. Dezember 2007

"Kein Sieger glaubt an den Zufall" - Friedrich Nietzsche

Für Roulettespieler eher ein Mythos als ein Zitat, für einen unbedarften Poker-Spieler vielleicht auch. Doch wer einmal anfängt sich mit dem Thema Poker näher zu befassen merkt schnell, dass da nicht nur Glück im Spiel ist, sondern auch ein nicht unerheblicher Anteil an Strategie.

Warum glauben die meisten "Nicht-Pokerspieler" , und auch ein paar von denen die Poker spielen, eigentlich, dass sie Poker nicht beeinflussen können? Nun, es gibt keinen ehrlichen Spieler der Einfluss auf die Karten hat, doch nur mit einem guten Blatt gewinnt man ein Spiel. Folglich hat man keinen direkten Einfluss auf den Ausgang des Spiels und benötigt "Glück", um zu gewinnen.

Erfolgreiche Pokerspieler glauben dies nicht. Sie glauben auch nicht an Zufall - nur an Wahrscheinlichkeiten. Sie nennen das "Outs". Dazu berechnen sie dann ihre "Odds". Haben sie beides korrekt erledigt, setzen sie den Betrag, der ihnen auf lange Sicht einen positiven Erwartungswert verspricht. Und damit haben sie dem Roulettespieler gegenüber einen entscheidenden Vorteil, denn dessen Erwartungswert (auch EV= expected value) ist bekanntermassen negativ.

Ich möchte an dieser Stelle nicht beweisen, dass dem so ist. Dies wird von vielen anderen, guten Seiten im Netz bereits erledigt. Für alle Ungläubigen unter euch heisst es nun also: Suchmaschine nach Wahl geöffnet und nach "Odds", "Berechnen von PotOdds", o.Ä. gesucht!

Und danach kommt zurück auf diese Seite :-).

Es grüsst,

Acefolder aka nietzsche84

PS: An dieser Stelle sei noch erwähnt dass nicht alle Varianten des Pokerspiels unter diesem Aspekt beleuchtet werden können -> das bekannte "5 Card Draw" ist zweifellos ein Glücksspiel. Es geht hier in der Hauptsache um "Texas Hold 'Em", der mittlerweile wohl bekanntesten Spielart des Poker.